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Direktkandidatur des Wahlbezirkes 82 (Steinfurt III) für die Landtagswahl vom 25.04.2027

Liebe Genossinnen und Genossen, Liebe Gäste,


ich bin Friederike Meierotte, 28 Jahre alt, Erzieherin und habe bis vor Kurzem noch als Leitung einer Kindertageseinrichtung gearbeitet. 
Und glaubt mir: In Zeiten, in denen Politiker:innen lieber Bündnisse mit einer rechtsextremen Partei eingehen als mit uns für Menschenrechte und ein gutes bezahlbares Leben zu kämpfen, ist es nicht einfach, sich als junge Frau für Linke Politik einzusetzen. 
Ich ziehe insbesondere deshalb meinen Hut vor Euch allen. Dank Euch haben sicherlich viele von uns, mich eingeschlossen, den Mut gehabt, endlich nicht mehr leise zu sein!

Und jetzt muss ich mich outen: Das „Leise sein“ war für mich lange ein bequemes Schlupfloch. Ich komme aus einem politisierten Elternhaus und konnte es mir jahrelang leisten, mich nicht für politische Belange zu interessieren. 
Und dass das ein unglaubliches Privileg ist, war mir lange Zeit nicht bewusst.

Andere Lebensrealitäten bewusst wahrzunehmen ist keine Selbstverständlichkeit. Sich nicht Sorgen darüber machen zu müssen, dass mein Schulausflug nicht von meinen Eltern gezahlt werden kann ist keine Selbstverständlichkeit. Und währenddessen ich so meine Zeit in der weiterführenden Schule „abgesessen“ habe und, im Gegensatz zu meinem älteren Bruder, oft das Krisengesprächsthema im Lehrer:innen-Zimmer war, habe ich irgendwann gemerkt: Hey, meine Mitmenschen sind, bis auf ein paar Ausnahmen, gar nicht so schlecht. 
Ich bin aufgewachsen in einer Gesellschaft, in der soziale Medien auf dem Höhepunkt waren und ein „Anders-Sein“ gesellschaftlich mehr und mehr Akzeptanz erhalten hat.
Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob es „abnormal“ sei, wenn ein Mann einen anderen Mann liebt. Ich habe mich damit beschäftigt, wie ich mich möglichst zielführend vorm Sportunterricht in der 7. Und 8. Stunde drücken konnte.  Und jetzt fragen sich sicherlich ein paar von Euch: Worauf möchte Sie hinaus? 
Sich nicht für Politik, für soziale Ungerechtigkeit, für Rassismus und für Queerfeindlichkeit interessieren zu müssen, ist ein unfassbares Privileg. 
Und dieses Privileg wollte ich mir irgendwann nicht mehr leisten können.

Ich würde mir wünschen, in einem Deutschland zu leben, dass sich ernsthaft für die Lebensrealitäten aller Menschen einsetzt, dass wirtschaftliche Interessen nicht vor die Interessen einer alleinerziehenden Mutter stellt.
Aber in diesem Deutschland scheinen wir noch nicht zu leben. Insbesondere nicht, wenn wir über Kinder in unserem System sprechen.

Die aktuelle Regierung kennt nur eins: Sparmaßnahmen und Sanktionen. 
Und anstatt jeden dritten Euro des Haushalts zu sparen, indem wir konsequent die Massenaufrüstungen stoppen, soll jetzt auch noch der 25-Euro Sofortzuschlag für von Armut betroffene Kinder gestrichen werden.  
Wir sind nicht wütend genug! 
In NRW haben wir das Kinderbildungsgesetz (kurz: KiBiz). Ab dem Kitajahr 2027 soll der neue Referentenentwurf gelten. 
Ich brauche keine Glaskugel, um zu prophezeien, was ab dann passieren wird: 
ABC-Klassen, um die vorschulische Sprachentwicklung zu fördern? Wohl eher ein rassistisches Instrument, das vor allem migrantische Kinder zusätzlich benachteiligen wird. 
Millionen Euros, die in unsere Kinder investiert werden? 
Wohl eher Gelder, die weiterhin dafür sorgen, dass wir in den Kitas auf Aufbewahrung, statt auf Bildung und Chancengerechtigkeit setzen. 
Gewerkschaften, Träger, unzählige Fachkräfte: alle haben demonstriert. 
Was nützen uns Gelder, wenn davon fachfremdes Personal ins System implementiert wird? Was nützen uns „Flexibilisierungen“ von Betreuungszeiten, wenn im Land NRW allein 85.000 Kitaplätze fehlen? 
Und trotz alledem schließen Kitas aktuell so schnell, wie nie zuvor! 
Eltern und seien wir mal ehrlich, insbesondere Mütter, gehen extra nur in Teilzeit arbeiten, um das Bare Minimum eines Betreuungsplatzes in Anspruch nehmen zu können, um irgendwie über die Runden zu kommen. Viele Menschen entscheiden sich heute darüber hinaus bewusst dazu, gar nicht erst eine Familie gründen zu wollen.

Ich bin Fachkraft. Ich war fast drei Jahre lang Leitung. Ich sehe jeden Tag, was unser Bildungssystem ist: Ein Ort, der Kindern jetzt schon jegliche Zukunftsperspektive raubt.

Wenn ich bei jeder Grippe, bei jeder Übelkeit, bei jedem Migräneanfall mir dreimal überlege, ob ich es meinem Team antun kann, mich heute krank zu melden.

Wenn Familien morgens um 07:00 Uhr vor der verschlossenen Kita-Tür stehen, keine andere Betreuungsmöglichkeit haben und um ihre eigenen Existenzen fürchten müssen.

Dann kann doch des Rätsels Lösung keine „Reform“ sein, die das ganzeAusmaß noch weiter verschlimmert!

Und im Jahr 2026 erlebe ich, dass rekordähnliche landesweite Kürzungen im sozialen Bereich dazu beitragen, dass die Zahlen an Kindeswohlgefährdungen jährlich zunehmen, dass jedes 5. Kind von Kinderarmut betroffen ist. Das ist verdammt traurig.

Ich bin fest entschlossen, dass sich das Land NRW warm anziehen muss, wenn es um die Landtagswahl 2027 geht.
Und genau aus diesem Grund kandidiere ich als Direktkandidatin für den Wahlbezirk 82, Steinfurt III.

Bildung und Chancengerechtigkeit dürfenkeine Frage des Einkommens, der Herkunft, der Religion, des Gender, der sexuellen Orientierung oder anderweitig vermeintlicher Marginalisierungskriterien sein. Bildung ist ein Grundrecht!

Es braucht den Druck von Links. Den Druck, der KiBiz-Reformen kritisiert und endlich wahrnimmt, was in diesem System wirklich benötigt wird: ein konsequentes Investitionsprogramm in Kitas und Schulen, sowie in ein fundiertes fachpädagogisches Personal, das multiprofessionell aufgestellt ist.

Denn, wer über Kinderschutz, über Prävention von sexualisierter oder häuslicher Gewalt spricht, der darf genau an diesen Punkten keine Sanktionen oder Sparmaßnahmen vornehmen!

 

Vielen Dank für Euer Vertrauen!

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